[Externer Link] Webseite - Autonome Provinz Bozen - Südtirol

Ufer und Feuchtgebiete ohne Gehölze

Wollgras im Naturdenkmal Samerberg-Moos, Proveis (Archiv Amt für Natur, Foto Georg Praxmarer, 2010)
Wollgras im Naturdenkmal Samerberg-Moos, Proveis (Archiv Amt für Natur, Foto Georg Praxmarer, 2010)

Beschreibungen der Pflanzengesellschaften an Ufern und in Feuchtgebieten ohne Gehölze (Lasen C., 2017)

Moore

Moorgebiete sind äußerst naturnahe Vegetationskomplexe, die sehr gut untersucht sind. Im Alpenraum handelt es sich oft um Relikte der Nacheiszeit. Diese weisen dieselben morphologischen und mikroklimatischen Eigentümlichkeiten der einstigen Lebensräume auf. Am selben Standort sind je nach Entwicklungsstadium oft verschiedene Moortypen nebeneinander anzutreffen. Man trifft auf ombrotrophe (Hochmoore) oder minerotrophe (Niedermoore) Typen oder häufiger deren Übergangsstadien (Zwischenmoore).

Diese sensiblen Lebensräume dürfen nicht beeinträchtigt werden. Sollen Hoch- und Zwischenmoore und ihre umliegenden Gewässer erhalten bleiben, ist Nicht-Eingreifen die beste Garantie. Niedermooren bilden sich oft an Hängen aus. In ihrem Fall ist es meist ratsam, Sträucher und Bäume sowie auch Schilf (Phragmites australis) zurückzudrängen. Eine abgestimmte, regelmäßige Mahd kann sich ebenfalls günstig auf den Erhalt von Feuchtlebensräumen auswirken. Diese schwinden zunehmend, darunter die Pfeifengraswiesen (6410) oder die klassischen Groß- und Kleinseggenriede.

Eine extensive (niemals intensive!) Beweidung, die mit einer Wild-Äsung vergleichbar ist, kann fallweise neue ökologische Mikro-Nischen schaffen. Hier sei angemerkt, dass das Rotwild regelrechte Wasserlöcher verursachen kann. Dies kann die floristische Zusammensetzung im betreffenden Abschnitt maßgeblich verändern.
Im Allgemeinen führt ein schwacher Tritt zu einem Erosionsereignis, das weniger verbreiteten Arten zugute kommt. Dadurch wird die allgemeine Artenvielfalt erhöht. Bei ausgedehnten, komplexen Moorsystemen mit intaktem Zentralbereich kann sich eine abwechslungsreiche Pflege der Randbereiche positiv auf den gesamten Lebensraum auswirken. Der Zentralbereich enthält dabei im besten Fall Wasserlöcher oder offene Wasserflächen.
Moore spielen eine wichtige Rolle als Wasserreservoire und bieten Lebensraum für viele seltene Arten mit besonderen ökologischen Ansprüchen. Sie sind jedoch sehr gefährdet. Moore, insbesondere die ombrotrophen, bieten zudem ein außergewöhnliches Datenarchiv vergangener Klimaepochen. Im Hinblick auf die globale Klimaveränderung kann daher ein Monitoring der Moore sehr nützlich sein. Moore reagieren auf Verschmutzungen und Schwankungen des Grundwasserspiegels sehr empfindlich, aber auch auf Betritt. Aus diesem Grund sollten Naturpfade durch das Moor auf speziell angefertigten Holzstegen führen. In der Nähe von Straßen sollte der Salzeintrag in Moorsenken verhindert werden.

Moore können aufgrund menschlicher Eingriffe oder der natürlichen geomorphologischen Entwicklung voneinander getrennt erscheinen. Nichtsdestotrotz können sie Teil eines hydrologischen Netzwerkes sein. Auf Planungsebene darf man sich daher nicht nur auf das Moorgebiet konzentrieren. Man muss vielmehr das gesamte Wassereinzugsgebiet berücksichtigen, um indirekte Veränderungen in der Wasserversorgung zu vermeiden. Als Indikator für die floristische Wertigkeit kann die Anzahl an seltenen und Rote Liste-Arten herangezogen werden. Die Anzahl an Vegetationseinheiten kann hingegen als Indikator für die Lebensraumvielfalt sowie zur Beurteilung der Integrität verwendet werden. Sie muss aber im Verhältnis zur Flächenausdehnung berechnet werden. Moore können maßgeblich zur Schönheit der Landschaft beitragen, obwohl sie in floristischer Hinsicht arm erscheinen. Dies gilt besonders für Moore auf silikatischen oder sehr sauren Substraten.

Feuchtgebiete und Sümpfe

Abgesehen von der eigentlichen Wasservegetation der Gewässer sind alle Lebensräume, in denen der Faktor Feuchtigkeit ausschlaggebend ist, biogeographisch sehr wichtig. Dies gilt auch, wenn diese auf kleine Überbleibsel reduziert oder durch Eutrophierung oder andere störende Einflüssen degradiert sind. Die Existenz von Feuchtstandorten ist wichtig für die Nahrungskette und für die Fortpflanzung einiger Invertebraten, aber auch für die Makrofauna. So begnügen sich Amphibien manchmal mit kleinen temporäreren Wasseransammlungen, wie z. B. in Traktorspuren im Feld.

Jedes noch so kleine Feuchtgebiet ist für die Biotopvernetzung eines Berggebietes essentiell. Dies gilt auch für Wassergräben oder Rinnsale in landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die ökologische Wertigkeit von Einzelflächen kann sehr gering erscheinen. Auf Planungsebene müssen jedoch vorab die möglichen negativen Folgen eines Verlustes an Feuchtlebensräumen berücksichtigt werden. Großflächige Entwässerungen und die Intensivlandwirtschaft haben einen wesentlichen Teil der Biodiversität (sowohl von einzelnen Arten als auch von Gesellschaften) zerstört. Die Schaffung neuer sekundäre Feuchtgebiete wäre daher, wo immer möglich, ein Gebot der Stunde. Auf diese Weise könnten eine partielle Renaturierung und die Wiederherstellung ökologischer Funktionalitäten erreicht werden.

Um verschiedenartige Habitate zu erhalten sind vielfach Pflegemaßnahmen erwünscht und angebracht. Dabei sollten die Maßnahmen nicht zu homogen ausfallen und dennoch eine geordnete Pflege ermöglichen. Dies gilt auch für bewaldete Lebensräume (Schwarzerlen-Wälder, Gehölze mit Salix cinerea), deren Wichtigkeit unbestritten ist. Dies darf jedoch keinesfalls auf Kosten der krautigen Restbestände gehen. Anzustreben wäre auch die Beurteilung des gesamten Einzugsgebietes anstatt des einzelnen Standortes allein. Um besonders sensible oder für eine Aufwertung bzw. Renaturierung geeignete Standorte ausfindig zu machen, sollte das Vorkommen von Rote-Liste-Arten herangezogen werden. Obwohl einige Lebensräume von der EU noch nicht als prioritär eingestuft wurden, sind sie es de facto aufgrund ihrer Seltenheit. Dies ist z. B. bei den Pfeifengraswiesen der Fall, die bereits auf sehr schmale Randbereiche reduziert und meist einer übermäßigen Düngung ausgesetzt sind. Vielfach sind sie bereits in andere Habitat-Typen mit wesentlich geringerem ökologischem Wert jedoch höherer Produktivität für Viehfutter umgewandelt worden.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

NEWSLETTER

Abonnieren Sie unseren Newsletter,
um auf dem Laufenden zu bleiben

Abonnieren

Letzte Aktualisierung: 10/03/2025