Siedlungsplanung
Das primäre Ziel einer guten Siedlungsplanung ist die Einschränkung und ständige Überwachung des Bodenverbrauchs
Das Gesetz "Raum und Landschaft" setzt sich jedoch auch sozio-ökonomische und ökologisch-klimatische Ziele. Art. 2 des Landesgesetzes sieht z.B. das Erreichen folgender Ziele vor:
- eine hohe Lebens- und Arbeitsqualität der Bevölkerung,
- die Aufwertung des öffentlichen Raums, um Orte der Begegnung zu schaffen, wo durch urbanistische Qualität und Umweltqualität ein Gemeinschaftsgefühl hervorgerufen und der soziale Zusammenhalt gefördert werden können,
- der Schutz vor und die Vorbeugung von Naturgefahren,
- die Aufwertung des ländlichen Raums unter Berücksichtigung der besonderen Erfordernisse der Land- und Forstwirtschaft,
- die Verfügbarkeit von Einrichtungen für Bildung, Kultur und Erholung,
- die Deckung des Mobilitäts- und Kommunikationsbedarfs der Bevölkerung,
Ein allgemeineres Ziel kann demnach so formuliert werden:
Erhaltung einer hohen Lebensqualität der Bevölkerung bei gleichzeitiger notwendiger drastischer Einschränkung des Verbrauchs von Boden, Ressourcen und Energie und Schutz, Aufwertung der Landschaft und der naturräumlichen Ressourcen und Vermeidung des motorisierten Individualverkehrs.
Kompaktere Siedlungen als Lösung?
Das Beste, was die Raumplanung zum Erreichen dieser Ziele zu bieten hat, sind kompakte Siedlungen. Eine kompakte Siedlung weist eine funktionelle Mischung (wohnen, arbeiten, zur Schule gehen, einkaufen usw.) auf engem Raum auf.
- Dies verkürzt die Wege zwischen den Funktionen, was die Bewohner unabhängiger vom PKW macht und wiederum zu weniger Luftverschmutzung und Bodenverbrauch für Parkplätze und Straßen führt.
- Dies wird auch dadurch ermöglicht, dass eine dichtere Siedlungsstruktur die Effizienz des ÖPNV enorm steigert und das Fahrradfahren erleichtert, gleich wie die Effizienz der Heizanlagen in Etagenwohnungen viel effizienter heizen als in Einfamilienhäusern.
- Gleichzeitig führt eine kompakte, durchmischte, fußgängerfreundliche Siedlungsstruktur zu mehr Menschenansammlungen, was wiederum für die Wirtschaftstreibenden und für das soziale Gefüge von Vorteil ist.
- Für die öffentlichen Verwaltungen bringen kompakte Siedlungen durch effizientere Nutzung der Infrastrukturen eine hohe Kostenersparnis mit sich.
- Wohnungen in kompakten Siedlungen haben bedeutend weniger Nebenkosten (Heizung, PKW, Instandhaltung, Gemeinschaftsgarten usw.) und müssen nicht mehrere Funktionen erfüllen, weil sie den Vorteil haben alle notwendigen Dienstleistungen in unmittelbarer Nähe zu haben
- Nach außen hin, schützt und schont eine kompakte Siedlung die Landschaft und die naturräumlichen und landwirtschaftlichen Ressourcen und erleichtert den Schutz vor Naturgefahren.
Ist der Boden wirklich so knapp?
Bei 533.000 Einwohner und 7.400km² Fläche hat Südtirol eine Einwohnerdichte von 72 Einwohner/km²; sehr wenig. Zieht man aber allein den Wald als unbesiedelbare Fläche ab, steigt die Zahl schon auf 140 Einwohner/km². Geht man einen Schritt weiter und zieht Felsen, Gletscher, Seen und Feuchtgebiete, Biotope, Landschaftsschutzgebiete, usw. ab, nähert sich Südtirol im effektiv erschließbaren Siedlungsgebiet an Großstadtwerte um die 1.000 Einwohner/km². D.h. der effektiv besiedelbare Bereich ist in Südtirol bereits sehr dicht besiedelt.
Insgesamt stehen uns nur einige wenige Prozent (ca. 4%) der Gesamtfläche Südtirols zur Besiedelung zur Verfügung.


