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Interregionale Führung

Die Dolomiten gehören in Bezug auf die Führung zu den komplexesten Welterbestätten. Das serielle Gut besteht aus neun geografisch unabhängigen Teilgebieten, die sich in verwaltungstechnischer, sozioökonomischer, sprachlicher und kultureller Hinsicht stark voneinander unterscheiden.

Zu den Auflagen des Welterbekomitees für die Aufnahme der Dolomiten in die Welterbeliste 2009 zählten die Einrichtung einer Stiftung für eine koordinierte Führung, die Ausarbeitung einer Führungsstrategie für das gesamte Gebiet sowie die Ausarbeitung einer Gemeinsamen Strategie für den Tourismus.

Entscheidung des Welterbekomitees und Auflagen für die Aufnahme

Das Welterbekomitee hat mit dem Beschluss 33 COM 8B.6 vom 26. Juni 2009 auf seiner 33.Tagung in Sevilla die Dolomiten, Italien, auf Grundlage der natürlichen Kriterien (vii) und (viii) in die Liste des Welterbes aufgenommen und die folgende Erklärung zum außergewöhnlichen universellen Wert verabschiedet:

„Die neun Teilgebiete des Welterbes Dolomiten bilden eine Serie einzigartiger Gebirgslandschaften von außergewöhnlicher Schönheit. Ihre beeindruckend senkrechten und bleichen Gipfel weisen eine weltweit außerordentliche Formenvielfalt auf. Diese Berge sind ferner für die Erdwissenschaften von internationaler Bedeutung. Die Anzahl und Ansammlung äußerst unterschiedlicher Karbonatformationen ist weltweit einzigartig. Die großartig aufgeschlossene Geologie ermöglicht einen Einblick in das Meeresleben der Trias, das sich nach dem größten jemals in der Erdgeschichte nachgewiesenen Artensterben entwickelt hat. Die erhabenen, monumentalen und farbenreichen Landschaften der Dolomiten haben seit jeher eine Vielzahl an Reisenden fasziniert und waren die Quelle zahlreicher wissenschaftlicher und künstlerischer Interpretationen.“

“Die Dolomiten gelten als eine der imposantesten Berglandschaften weltweit. Ihre besondere Schönheit ergibt sich aus einer Vielzahl eindrucksvoller vertikaler Formen wie Zinnen, Felsnadeln und Türmen, die im Kontrast mit horizontalen Flächen wie Felsvorsprüngen, Terrassen und Hochplateaus stehen und die sich abrupt über ausgedehnten Geröllablagerungen und sanften Hügeln erheben.

Die große Farbenvielfalt ergibt sich aus dem Kontrast zwischen den bleichen Felswänden und den darunter liegenden Wäldern und Wiesen. Die Berge bestehen aus von Schluchten durchzogenen Gipfeln; mancherorts stehen diese alleine da, mancherorts bilden sie Massive, die für atemberaubende Panoramen sorgen. Einige der hier vorhandenen Felswände ragen mehr als 1500 m in die Höhe und gehören zu den höchsten Kalksteinwänden der Welt. Die unverkennbare Szenerie der Dolomiten gilt als Archetypus der “Dolomiten-Landschaft” schlechthin. Geologen waren die ersten, die von der Schönheit dieser Bergmassive angelockt wurden. Ihre Schriften, Gemälde und Bilder unterstreichen die ästhetische Anziehungskraft dieser Berge.“

“Die Dolomiten sind unter dem Gesichtspunkt der Geomorphologie von internationaler Bedeutung, weil sie als klassische Stätte für die Gebirgsentstehung in Dolomitgebieten gelten. Das gesamte Gebiet weist eine große Vielfalt an Landschaftsformen auf, die das Produkt von Verwitterung, Tektonik und Vergletscherung sind. Die Anzahl und Konzentration unterschiedlichster Kalksteinformationen, zu denen Türme, Zinnen und einige der weltweit höchsten Felswände gehören, sind einzigartig im globalen Kontext. Von internationaler Bedeutung sind auch die geologischen Werte, vor allem die mesozoischen Karbonatplattformen bzw. fossilen Riff-Atolle, insbesondere in Bezug auf die Entwicklung von Rifforganismen nach der Perm-Trias-Grenze und die Erhaltung der Geometrien zwischen Riffbauten und der sie umgebenden, tiefen Meeresbecken. Darüber hinaus befinden sich in den Dolomiten auch wichtige Abschnitte der Trias, deren Bedeutung international anerkannt ist. Die wissenschaftliche Bedeutung der Stätte belegen weiters die lange Geschichte ihrer Erforschung und ihre Anerkennung auf internationaler Ebene. Zusammengenommen begründen die geomorphologischen und geologischen Werte eine Naturstätte von globaler Bedeutung.”

“Die neun Teilgebiete, welche die Stätte bilden, umfassen alle Gebiete, die für die Erhaltung der der Stätte erforderlich sind, sowie alle oder den größten Teil der aus Sicht der Erdwissenschaften zentralen, verwandten und voneinander abhängenden Elemente in ihrem natürlichen Gefüge. Zur Naturstätte gehören auch Teile eines Nationalparks, verschiedene Naturparks und Natura-2000-Gebiete sowie ein Naturdenkmal. Für jedes einzelne Teilgebiet wurde eine Pufferzone eingerichtet, um es vor den Gefahren außerhalb seiner Grenzen zu schützen. Die natürlichen Landschaften und Prozesse, die erforderlich sind, um die Werte der Naturstätte zu erhalten und deren Unversehrtheit zu gewährleisten, befinden sich in einem guten Erhaltungszustand und sind frei von jeglicher Entwicklung“.

„Als serielles Gut erfordern die Dolomiten ein interprovinzielles Abkommen für die Führung. Dieses ist mit angemessenen Mitteln auszustatten, um zu gewährleisten, dass die fünf Provinzen mit ihren zur Welterbestätte gehörenden Gebieten über ein gemeinsames Führungssystem, eine gemeinsame Führungsstrategie und ein auf die gesamte Stätte bezogenes Monitoring- und Berichtssystem miteinander vernetzt sind. Für die Stätte und seine Pufferzone sind außerdem gemeinsame Politiken und Programme für die Präsentation der Stätte und für die Gestaltung der allgemeinen Nutzung erforderlich. Die Stätte ist im Hinblick auf den touristischen Druck und die damit verbundene touristische Infrastruktur zu schützen. Jedes der zum seriellen Gut gehörenden Gebiete benötigt seinen eigenen spezifischen Managementplan, der das Management nicht nur der Bodennutzung, sondern auch der menschlichen Aktivitäten sicherstellt. Ziel ist es, die Werte der Stätte zu erhalten und insbesondere die Qualität der Landschaften und der natürlichen Prozesse zu bewahren, einschließlich der großen Gebiete, die noch einen Wildnischarakter haben. Stark frequentierte Bereiche müssen so organisiert werden, dass die Besucherzahlen und die Aktivitäten innerhalb der Grenzen der Kapazität des Gutes bleiben, sowohl im Hinblick auf den Schutz seiner Werte als auch auf diejenigen, die es besuchen. Darüber hinaus sind eine angemessene finanzielle und personelle Ausstattung sowie die Abstimmung zwischen den verschiedenen Arbeitsteams der einzelnen Teilgebiete der Stätte unerlässlich.“

Das Welterbekomitee “stellt fest, die Entscheidung, das Gut einzutragen unter der Voraussetzung zu treffen, dass der Vertragsstaat den folgenden Forderungen des Komitees zustimmt, die bis zur 35. Sitzung des Komitees im Jahr 2011 erfüllt werden müssen, um die Anforderungen der Operativen Leitlinien in vollem Umfang zu erfüllen:

a) dass die geplante interprovinzielle Stiftung "Dolomiti - Dolomiten - Dolomitis - Dolomites UNESCO" nach der Eintragung des Gutes gegründet und mit dem vom Mitgliedstaat angegebenen Budget ausgestattet wird.

b) dass die Gemeinsame Führungsstrategie, die auf Maßnahmen ausgerichtet und auf das gesamte serielle Gut anzuwenden ist, unter Beteiligung aller Interessensvertreter erarbeitet wird und dass sie Folgendes festlegt:

  • (i) die Vereinbarungen zur effizienten Führung des Guts;
  • (ii)die operative Führungsmaßnahmen zu spezifischen Schlüsselthemen, welche das als Welterbe kandidierte Gut betreffen und den Kriterien, gemäß derer es aufgenommen wurde;
  • (iii) das Monitoring und die Berichterstattung über den Erhaltungszustand des Guts insgesamt und die Effizienz der Führung;
  • (iv) konkrete Möglichkeiten zum Erreichen finanzieller Nachhaltigkeit für die Erhaltung und Führung des Guts.

c) dass die einzelnen Managementpläne für jedes Teilgebiet fertiggestellt werden, um die effektive Führung des seriellen Guts sowie die lokale Umsetzung der Erhaltung und angemessenen Nutzung der betreffenden Teilgebiete zu gewährleisten.

d) dass eine Gemeinsame Strategie für den Tourismus und die Nutzung seitens der Besucher bezogen auf das gesamte Welterbegebiet inklusive Pufferzonen ausgearbeitet wird, wobei auch das umliegende Gebiet angemessen zu berücksichtigen ist, um notwendige Maßnahmen für die Erhaltung des außergewöhnlichen universellen Werts und der Integrität des Guts aufgrund der nach der Aufnahme zu erwartenden erhöhten Besucherzahlen bewerten zu können.

Diese Strategie hat das Ziel, die Besucherzahl in Gebieten, deren Kapazität fast oder bereits erschöpft ist, zu steuern, die Intensivierung der Infrastrukturen oder die unangemessene Nutzung, die sich negativ auf die Werte des Guts auswirken könnten, zu untersagen, und ein effizientes touristisches Angebot zu gewährleisten, das mit der langfristigen Erhaltung des Guts vereinbar ist.“

Die Stiftung Dolomiti – Dolomiten – Dolomites – Dolomitis UNESCO

Die Stiftung Dolomiti – Dolomiten – Dolomites – Dolomitis UNESCO

Entdecken Sie die Tätigkeiten der Stiftung Dolomiten UNESCO.

Funktionelles Netzwerk „Entwicklung, nachhaltiger Tourismus und Mobilität“

Funktionelles Netzwerk „Entwicklung, nachhaltiger Tourismus und Mobilität“

Entdecken Sie die Tätigkeiten des Netzwerkes, das von der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol für das gesamte Dolomitengebiet koordiniert wird.

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